Mündliche Abiturprüfungen 2015

Das Vierhunderttausend-Euro-Ding?

Am Montag, dem 8. Juni 2015 haben alle Lerngruppen an unserer Schule unterrichtsfrei. Auch kann es sein, dass in dieser Woche wegen der mündlichen Abiturprüfungen vermehrt Vertretungsunterricht stattfindet, oder der Nachmittagsunterricht ausfällt – dies wird dann über den Vertretungsplan geregelt.

Im Folgenden möchte ich kurz abschätzen, wie viel Arbeit hinter unserer Abiturkampagne 2015 steckt.

Menschliche Arbeit kann man in Personenstunden messen: Eine Personenstunde ist die Menge an Arbeit, die eine Person durchschnittlich in einer Stunde (60 Minuten) schafft. Ein Personentag sind 8 Personenstunden, eine Personenwoche sind 5 Personentage und ein Personenjahr wird international oft mit 2000 Personenstunden angesetzt (das wären 50 Wochen à 40 Stunden, was für Deutschland deutlich zu hoch ist).
Wir haben in diesem Jahr 180 Abiturienten.

Die schriftlichen Prüfungen
Unsere Prüflinge haben sich bisher den schriftlichen Prüfungen des Landesabiturs unterzogen. Im März wurden bei uns 553 Klausuren geschrieben, die über die Osterferien von jeweils zwei Lehrkräften korrigiert und beurteilt wurden. Die Ergebnisse liegen den Abiturienten seit Mitte Mai vor.
Die Aufgaben für diese Arbeiten werden in Hessen (unter Mitwirkung der Schulen) zentral erarbeitet, müssen aber in der Schule gedruckt und individuell mit gestempeltem Papier und zugelassenen Hilfsmitteln zusammengestellt werden. Außerdem müssen diverse Listen und Statistiken geführt werden. Auch wenn dies pro Abiturarbeit nur 5 bis 6 Minuten dauern würde, käme man bereits dafür auf 50 Personenstunden, deutlich mehr als eine ganze Woche Arbeit.
Allein die Aufsichten für die bis zu 6 Stunden dauernden Prüfungen in 30 Räumen und Fluren ergeben weitere 150 Personenstunden. All das muss natürlich geplant und organisiert werden (20 Personenstunden).
Geht man vereinfachend und eher zu niedrig schätzend davon aus, dass der Erstkorrektor durchschnittlich zwei und der Zweitkorrektor eine Stunde pro Durchsicht braucht, so kommt man einschließlich der Zeit zur Abstimmung und Schreiben der Gutachten (nur 30 Minuten pro Arbeit angenommen) auf 3,5 mal 553, also ca.1936 Personenstunden – macht zusammen rund 2150 Personenstunden nur für das schriftliche Abitur.

Die Präsentationsprüfungen
In der zweiten Maihälfte hatten wir 53 Präsentationsprüfungen. Die Prüfungsaufgaben wurden von den Lehrkräften erstellt, beraten durch die Aufgabenfeldleiter (6 Personenstunden pro Prüfung ist realistisch und eher zu niedrig angesetzt). Für jede Prüfung ist einschließlich Notenfindung eine Zeitstunde vorgesehen, der Prüfungsausschuss besteht aus drei Personen (Prüfer, Protokollant und Vorsitzender). Zum Erstellen des Prüfplans werden 10 Personenstunden angesetzt. Somit „kosten“ die Präsentationsprüfungen 10 + 53 * (6 + 3) = 487 Personenstunden.

Die mündlichen Prüfungen
Im Jahr 2015 werden wir 335 mündliche Abiturprüfungen haben, allein am unterrichtsfreien Montag liegen 146 Prüfungen. Nimmt man für die Erstellung jeder Prüfung nur eine Personenstunde sowie je eine weitere für die obligatorische Abstimmung der Prüfungsaufgaben mit dem Vorsitzenden und dem Einlesen des Protokollanten an, so ergeben sich für die Vorbereitung der Prüfungen 670 Personenstunden.
Für jede Prüfung sind 40 Minuten angesetzt, der Prüfungsausschuss besteht wie bei den Präsentationsprüfungen aus 3 Personen. Somit benötigt die Durchführung weitere 670 Personenstunden.
Während der Prüfungsphase ist das Oberstufenzentrum permanent mit mindestens einer Person besetzt, z.B. um die Ergebnisse der Prüfungen in eine zentrale Datei einzupflegen, und um zu koordinieren (50 Stunden). Zusammen mit der Erstellung des Prüfplans (20) und die Aufsichten in den Vorbereitungsräumen (50) ergeben sich für die mündlichen Prüfungen 1460 Personenstunden.

Sonstige Prüfungen
Hierzu zählen die sportpraktischen Prüfungen (100 Personenstunden), Sitzungen des Abiturprüfungsausschusses der Schule (50 Personenstunden), zusätzliche Aufsichten für Nachschreiber, Zusatzaufwand für bilinguale Prüfungen oder solche, bei denen ein Nachteilsausgleich anzuwenden ist (100 Personenstunden).
Gar nicht einrechnen möchte ich hier bewusst Planung, Vorbereitung und Durchführung des Abiballs, bei dem unseren Absolventen in feierlichem Rahmen am 27.6.2015 in der Stadthalle Baunatal das Abiturzeugnis überreicht werden wird.

Fazit
Insgesamt ergibt die Abschätzung für unsere Schule diesen Gesamtaufwand an Arbeit für Lehrkräfte und das Sekretariat für das Abitur 2015
Schriftliche Prüfungen: 2150
Präsentationsprüfungen: 487
Mündliche Prüfungen: 1460
Sonstiges: 250

Zusammen rund 4350 Personenstunden, also 554 Personentage, verteilt auf einen Zeitraum von Anfang März bis Ende Juni.

Und wie viel kostet das?
Legen wir den DEKRA Stundensatz (Quelle: http://www.dekra.de/de/927) für eine PKW Reparatur in Kassel zugrunde, nämlich 90 Euro pro Stunde (ohne MwSt.), so käme man für unsere Abiturkampagne auf 391.500 Euro – also bei 180 Abiturienten auf netto 2.175 Euro pro Abiturient, im Vergleich zum Führerschein ein Schnäppchen. Nur für die Abiturprüfungen, wohlgemerkt. Also auch ohne Infrastruktur wie Räume, Heizung, Strom, Hausmeisterei, Computer, Sammlungen und Verbrauchsmaterial – und natürlich ohne die Kosten von Schule und Unterricht während der vorangegangenen zwölf oder 13 Jahre!

Aber „glücklicherweise“ wird die Arbeitszeit von Lehrkräften (die nach Unterrichtsstunden und nicht etwa nach Arbeitsaufwand abgerechnet werden) deutlich geringer bezahlt, als die Stundensätze im KFZ-Handwerk…

Von: Eckhard Müller, StD

Jun, 03, 2015

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