Mehr als 60 Schülerinnen und Schüler der Ethikkurse im Jahrgang sechs verbrachten – bereits zum dritten Mal – einen Projekttag im Sara Nussbaum Zentrum (https://sara-nussbaum-zentrum.de/). Als außerschulischer Bildungsort bietet das Zentrum vielfältige Möglichkeiten, sich mit jüdischem Leben in Vergangenheit und Gegenwart auseinanderzusetzen – und dabei Fragen zu stellen, ins Gespräch zu kommen und unterschiedliche Perspektiven kennenzulernen.
Gerade im Kontext schulischer Antisemitismusprävention sind solche Lernorte von besonderer Bedeutung. Sie ermöglichen Begegnungen, die über reine Wissensvermittlung hinausgehen, und eröffnen Zugänge zu Themen wie Identität, Religion, Erinnerungskultur und gesellschaftlichem Zusammenleben.
Die Schülerinnen und Schüler konnten den diesjährigen Projekttag aus verschiedenen Perspektiven erleben: Eine Gruppe war in Kassel unterwegs und folgte den Spuren jüdischen Lebens im Stadtraum. So erfuhren die Lernenden bisher Unbekanntes über den Aschrottbrunnen und seine Zerstörung, die Bürgersäle, in denen der Rechtsanwalt Max Plaut das erste Todesopfer der Nationalsozialisten wurde, die Boykotte jüdischer Geschäfte sowie die Bücherverbrennung auf dem Friedrichsplatz. Zu einem Ort der Erinnerung begaben sich die Schülerinnen und Schüler auch, als sie sich auf den Weg zum „Gedächtnis der Gleise“ am Kasseler Kulturbahnhof machten. Gleis 13/14 erinnert an die Deportation von über 2500 Menschen, die Opfer der Nationalsozialisten wurden. So wie der Künstler Dr. Hoheisel bei der Eröffnung des Mahnmals sagte, dass „alle Opfer […] das Recht auf die Erinnerung an ihren Namen, an ihre Identität, ihr Schicksal [haben]“, kamen die Schülerinnen und Schüler über die eigene Identität miteinander ins Gespräch.
Andere setzten sich in der Synagoge mit jüdischen Traditionen, Kultusgegenständen und religiösem Leben auseinander. Eine dritte Gruppe arbeitete im musikalischen Workshop „Selam und Slalom“ gemeinsam mit Attila Günaydin, professioneller Baglama-Lehrer, und Elena Padva, Leiterin des Sara Nussbaum Zentrums, zu Fragen von Herkunft, Identität und unterschiedlichen Formen von Ausgrenzung. Eine gemeinsame Führung durch die neue Dauerausstellung rundete den Workshop ab.
Zu einem gemeinsamen Austausch und koscheren Snacks trafen sich alle Lerngruppen wieder vor Ort und beschlossen den Tag gemeinsam.
Der Projekttag machte deutlich, dass Antisemitismusprävention nicht erst dort beginnt, wo über Vorurteile gesprochen wird. Sie beginnt auch dort, wo Begegnungen möglich werden, Fragen gestellt werden dürfen und jüdisches Leben als selbstverständlicher Teil unserer Gesellschaft sichtbar wird.
Ein besonderer Dank gilt allen begleitenden und unterstützenden Lehrkräften.









